Kuckuckskinder

 

Als Ahnenforscher geht man in der Regel davon aus, dass es sich bei den Personen der Ahnen-Linie um Blutsverwandte handelt. Doch dem ist nicht immer so, denn manchmal stellt sich heraus, dass der vermeintliche Vorfahr gar nicht der ist, für den man ihn hielt. Wer sich so als „Kuckuckskind“ wiederfindet, kann mit Hilfe moderner Wissenschaft doch noch die richtige Spur finden.

Ahnenforschung – Den Verwandt­schafts­verhältnissen auf den Grund gehen
Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, wer ihre Vorfahren sind. Wie sie damals aussahen, wie sie gelebt haben oder auch welche Krankheiten in der Vergangenheit in der Familie auftraten. Dann beginnen sie meist mit einer „privaten“ Ahnenforschung, wühlen sich durch etliche Fotoalben und befragen Eltern, Großeltern und möglicherweise auch die Urgroßeltern zu ihren Vorfahren. Je nachdem, woran sich die Verwandten noch erinnern können und wie präzise ihre Angaben sind, können die Suchenden mit den erhaltenen Informationen „weiterarbeiten“ und Spezifisches über frühere Verwandtschaftsgenerationen erfahren. Je mehr Personen befragt werden, umso mehr Informationen können auch gesammelt werden. Doch wie zuverlässig sind Angaben von sehr alten oder weniger nah stehenden Verwandten? Wie können Betroffene sichergehen, dass es sich bei den genannten Personen wirklich um die eigenen Vorfahren handelt? Die Antwort: Eine 100-prozentige Sicherheit ist diesbezüglich nur durch einen genetischen Verwandtschaftstest möglich.

Denn möglicherweise ist der Urgroßvater gar nicht der leibliche Vater der Großmutter oder auch nicht das leibliche Kind der Mutter. Solche Fälle, man spricht hier von sogenannten Kuckuckskindern, sind zwar nicht sehr häufig, können aber vereinzelt durchaus in allen Familienstammbäumen auftreten und über lange Zeit sogar unerkannt bleiben. Natürlich beginnen die Nachforschungen nach einer „echten“ bzw. biologischen Verwandtschaft immer zuerst im näheren Familienumkreis – bei den eigenen Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln, Cousins und Cousinen. Ohne das sichere Wissen, dass es sich um die leiblichen Verwandten handelt, können keine aussagekräftigen und genauen Stammbäume erstellt werden. Hierfür werden zudem wichtige Dokumente wie die Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunde aller ausfindig zu machenden Personen benötigt.

Der genetische Verwandtschaftstest – Die professionelle Informationssuche
Für Betroffene, die präzise Informationen zu ihren individuellen Stammbaum erhalten wollen, gibt es klinische Tests, die eine genaue Auskunft über die jeweiligen Verwandtschaftsverhältnisse geben. Denn eine DNA-Analyse gibt eine nahezu 100-prozentige Sicherheit über eine bestehende Verwandtschaft. Zudem können in zertifizierten Laboren Vaterschaftstests durchgeführt werden, die eine biologische Vaterschaft nachweisen. Ist sich beispielsweise ein Vater unsicher darüber, ob es sich bei seinem Sohn oder seiner Tochter um das eigene, leibliche Kind handelt, kann er mit dem Einverständnis aller Beteiligten einen solchen Test vollziehen. Seitdem im Jahre 2008 das „Gesetz zur Klärung der Vaterschaft unabhängig vom Anfechtungsverfahren“ in Kraft getreten ist, hat nämlich jede Person in Deutschland einen rechtlichen Anspruch auf die Feststellung der väterlichen Abstammung. Bei einem Vaterschaftstest wird das Genmaterial mit jeweils einer biologischen Probe des Vaters und des Kindes – meist handelt es sich dabei um einen unkomplizierten Abstrich der Mundschleimhaut – auf mindestens 21 DNA-Marker geprüft. Stimmen diese Marker überein, kann der Betroffene von einer leiblichen Vaterschaft ausgehen und hat die absolute Sicherheit, dass es sich um das eigene Kind handelt.

Kompliziertere Verwandtschaftstests können ebenfalls in solch zertifizierten Testlaboren durchgeführt werden. Bei derartigen Untersuchungen werden zwischen 21 und 45 DNA-Marker auf ihre Gleichheit hin überprüft. So kann die Suche nach dem leiblichen Vater auch über mehrere Generationen hinweg erfolgen. Ebenso können die DNA-Profile von Cousins und Cousinen bestimmt und Onkel- und Tanten-Analysen durchgeführt werden. Eine solche deutlich aufwendigere Analyse dauert im Schnitt mindestens eine Woche. Laut dem Gendiagnostikgesetz ist dabei in Deutschland eine lückenlos dokumentierte Probeentnahme für die DNA-Analyse Pflicht.

Die Qualität der Untersuchungen
Eine Privatperson kann einen Vaterschaftstest oder auch weitere Verwandtschaftstests bei privaten Laboren durchführen lassen. Dabei ist es jedoch essentiell, dass diese auf die Seriosität der Anbieter achtet. Qualitätsstandards lassen sich beispielsweise durch den Nachweis von erforderlichen Zertifizierungen und Akkreditierungen sowie externen Kontrollen feststellen. Wenn Privatpersonen die Ergebnisse eines Vater- oder Verwandtschaftstests benötigen, um vor Gericht finanzielle Ansprüche geltend zu machen, muss sowohl das Ergebnis-Gutachten gerichtlich verwertbar sein und von einem zertifizierten Labor stammen und auch die kontrollierten Analysen müssen solange durchgeführt werden, bis ein absolut sicheres Ergebnis erreicht wird. Die Kosten für einen professionellen Verwandtschaftstest beginnen bei etwa 400 Euro aufwärts. Wer weitere Informationen zu diesem Thema benötigt, kann sich bei seriösen Anbietern wie Eurofins Medigenomix über die Durchführung und die Möglichkeiten von Vater- und Verwandtschaftstests informieren.

Bildquelle: pixabay.com © FeeLoona (CC0 1.0)

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